«Spuren hinterlassen» – Rapper Yannick D. veröffentlicht sein viertes Album
Es hat lange gedauert, aber nun ist es soweit: Der Hamburger Rapper Yannick D. hat sein viertes Album veröffentlicht. Neben Hip-Hop-Stücken enthält es auch Songs, die rockig und poppig angehaucht sind. Inhaltlich widmet sich der Sprechgesangskünstler erneut Themen wie Nächstenliebe, Geldgier, Krieg und Frieden. Eugen Zentner hat Yannick D. getroffen.
Musikalisches Kunstwerk, das zwischen den Genres changiert
„Ich habe es lange liegen gelassen, bis der richtige Moment für ein Release da war“, begründet der Künstler die lange Zeit für die Veröffentlichung. Denn das Album ist bereits zwischen 2017 und 2018 entstanden. Für seine Fans hat sich das Warten aber gelohnt. «Spuren hinterlassen» enthält alle Elemente, für die der Rapper bekannt ist: positive Botschaften, Vermischung unterschiedlicher Genres und Songs, die um Nächstenliebe, Sozialkritik und Wahrheitssuche kreisen. Erschienen ist es unter seinem eigenen Label Antinorm, das der Rapper 2020, kurz vor der Corona-Krise, gegründet hat. Das Besondere an dem Album ist, dass Yannick D. seine Songs nicht digital vertont hat, sondern sich von verschiedenen Musikern unterstützen ließ, die seinen Sprechgesang musikalisch untermalen. An der Produktion beteiligt war zum Beispiel der Sounddesigner Marc Lohnzweiger, mit dem Yannick D. zum ersten Mal zusammengearbeitet hat. Einer der Gründe, warum sich der Release so lange verzögerte. „Wir mussten uns erst aufeinander einspielen“. Das Produkt ist ein musikalisches Kunstwerk, das zwischen den Genres changiert, zwischen Hip-Hop, Pop und Rock. „Ich bin jemand, der sich nicht in eine Schublade stecken lässt“, beschreibt der Hamburger seine Herangehensweise. Er liebe die Musik und probiere sich gerne aus.

@Volker Sorge
Liebeserklärung an die Musik
Von dieser innigen Verbindung zeugt der Song «Sie fängt mich auf», der eine Liebeserklärung an seine Partnerin vermuten lässt, aber eigentlich eine Hommage an die Musik ist. „Sie fängt mich auf / Gibt mir das Gefühl, ich werd gebraucht“, heißt eine markante Zeile. „Sie ist Hoffnung für alle die, die sich verloren glaubten / Denen es schwerfällt, nach vorn zu schauen / Ich kenn es gut, wenn es bergab geht“. Der Rapper weiß, wovon er spricht. Er hat eine schwere Zeit voller Abgründe und existentieller Not hinter sich. Es gab eine Phase, in der Drogen, Gewalt und Kriminalität sein Leben prägten. Diese Erfahrungen verarbeitete er vor allem in seinem letzten Album «Erst der Anfang», in das Yannick D. viel Selbstreflexion fließen ließ. „Es war eine Art Selbsttherapie, weil ich meine Vergangenheit musikalisch verarbeitet habe“, sagt er. Auf dem Cover ist ein Fußabdruck abgebildet, der tatsächlich von ihm ist – entstanden in der Kindheit.
Songs über gegenseitigen Respekt
Der Titel des vierten Albums baut thematisch auf diesem Motiv auf, sendet aber zugleich eine Botschaft, die sich auf zweierlei Weise interpretieren lässt. Das Werk hinterlässt nicht nur musikalische Tonspuren, sondern auch Spuren, die sich in den Werten und in der Einstellung seiner Zuhörer zeigen. Denn sie will Yannick D. inspirieren und zum Nachdenken anregen, wenn er in seinen Songs gegen Krieg und Geldgier, aber auch für Frieden, Freiheit und gegenseitigen Respekt rappt. Er selbst bezeichnet sich als einen weltoffenen Menschen und verdankt diese Geisteshaltung seiner Prägung in einem bunten Milieu. „Ich bin multikulturell aufgewachsen und habe das schätzen gelernt“, sagt der Rapper. Diese Zeit verarbeitet er in dem Song «Kulturkind», die Kritik am reinen Gewinnstreben enthält, das System hinterfragt, sich aber auch für eine gerechtere Welt ausspricht. „Mit dem Lied wollte ich aber auch meinen Kindern mitteilen, dass sie meine Fehler nicht wiederholen sollen“, erklärt der Rapper.
Kritik an den Corona-Maßnahmen
Ein weiterer wichtiger Song auf dem Album ist «King of Sing-Sang», womit sich Yannick D. in typischer Hip-Hop-Attitüde auf seine stimmlichen Qualitäten bezieht. Anders als viele Vertreter seines Fachs rappt er nicht nur, sondern singt auch. „Für die Hip-Hopper, Kidrocker, Hit-Popper / King of Sing-Sang”, heißt es in der Hook, in der er zum Ausdruck bringt, dass er sich in mehreren Genres zu Hause fühlt. Aufgrund seiner Gesangsstimme übernimmt er oftmals den Refrain in den Songs seiner Kollegen, die ihn genau dafür engagieren. Eingesetzt hat er sie beispielsweise in der zweiten Single des mehrköpfigen Rapkollektivs Rapbellions, das sich 2021 gründete und mit dem Song «Ich mach da nicht mit» eine Lawine lostrat. Das lag unter anderem an der Mitwirkung von Xavier Naidoo. Sein Name brachte das Lied in die Medien, sorgte aber auch für einen Shitstorm; man störte sich am Inhalt. «Ich mach da nicht mit» war eine Kritik an der Impfagenda. Die Rapbellions bestehen aus Rappern, die sich seit Beginn der Corona-Politik die Maßnahmen kritisieren und den Mut aufbringen, dies in ihren Songs auszudrücken. Dafür nehmen sie mediale Angriffe und Diffamierungen in Kauf. Ihnen ist es wichtig, Gesicht zu zeigen. „Ich war von Anfang an gegen die Corona-Maßnahmen und gegen den Impfzwang“, erklärt Yannick D. „Maskenpflicht und Abstandsgebote sind unmenschlich und helfen nicht, genauso wenig wie die Impfung, die meines Erachtens schon allein deswegen keinen Sinn macht, weil man sie in regelmäßigen Abständen wiederholen muss.“ Er wollte sich mit seiner Musik erheben und Menschen erreichen, damit sie gleichermaßen aufbegehren, so der Rapper. Deswegen sei die Teilnahme an dem Rapbellions-Projekt eine Herzensangelegenheit gewesen. Dieses Projekt habe die Produktion des Albums ebenfalls ins Stocken gebracht. Aber das war es ihm wert: „Die Reaktionen zeigen, dass wir einen Nerv getroffen haben.“

@Volker Sorge
Sein Hang zur System- und Sozialkritik zeigt sich zudem in dem Track «Revolution», der auf dem neuen Album zu den markantesten Songs gehört. „Glaube nicht, was wir hören“, heißt in einer Zeile, „Und was wir im TV so sehen / Viele Länder sind zerstört / Wer hat euch dafür das Recht gegeben“. Am meisten störe ihn, dass auf der Welt zahlreiche Kriege wüten. „Es gibt zu viel Hass“, so der Rapper. Insofern ist «Revolution» als Anti-Kriegslied zu verstehen, in dem für eine Veränderung plädiert wird. Mit seinem Song habe er dazu einen Beitrag leisten wollen:
„Wenn meine Kinder mich später fragen, was ich in dieser Zeit gemacht habe, um Widerstand zu leisten, kann ich sagen, dass ich auf die Straße ging und Lieder produziert habe, in denen diese Probleme angesprochen wurden.“
Hier geht es zum Album von Yannick D.