Symphonie Nr. 3 HUMAN RIGHTS: "Seit der Pandemie werden immer wieder Menschenrechte mit Füßen getreten"

Ausnahme-Musiker Matthias Georg Kendlinger erzählt im Interview, wie es ihm gelungen ist, als Autodidakt, die Opernwelt zu erobern.

Symphonie Nr. 3 HUMAN RIGHTS: "Seit der Pandemie werden immer wieder Menschenrechte mit Füßen getreten"
Autodidakt Matthias Georg Kendlinger

Symphonie Nr. 3 HUMAN RIGHTS

In Mathias Georg Kendlingers Elternhaus in Tirol, Österreich, wurde schon immer viel gesungen und Akkordeon gespielt. Für die Oper hatte Kendlinger nie viel übrig. Als ihn seine Frau jedoch dazu überreden konnte, sie zu einer Vorstellung der Zauberflöte zu begleiten, geschah ein kleines Wunder: Mozarts Arien verzauberten ihn so sehr, dass er beschloss: “Das ist es!” Matthias Georg Kendlinger begann selbst Opern zu komponieren, zu dirigieren und er gründete ein Orchester. Heute beschreibt er sich selbst als Musiker, Dirigent, Komponist, Musikliebhaber und vor allem als Freidenker. ㅤDenn hinterfragt hat Kendlinger schon als Kind sehr viel: “Warum muss ich dies oder jenes machen, obwohl ich es nicht will?” Die Antwort war meist: “Du musst ganz einfach!” Also beschloss er: Ich erlerne die Dinge, die mich begeistern, auf eigene Faust. So hält er es bis heute. Als Autodidakt ohne Hochschulstudium ist er ein Ausnahmebeispiel am Dirigentenpult. 

Fakten über Matthias G. Kendlinger: 

  • Instrumente hat er nach Gehör gelernt
  • Dirigieren hat er sich selbst beigebracht
  • der Großvater verkaufte eine seiner vier Kühe, um dem Enkel den Traum des eigenen Akkordeons erfüllen zu können
  • er tritt gerne mit seinem Sohn Maximilian auf, der gemeinsam mit dem Vater die großen Klassik-Bühnen erobert

Im Interview erzählt der Ausnahme-Musiker über seinen Erfolg und die Symphonie über Menschenrechte

Herr Kendlinger, was sind die Vorteile des autodidaktischen Lernens. Würden Sie diese Methode empfehlen? 

"Der Hauptvorteil des autodidaktischen Lernens als Komponist ist, dass man sich nicht durch intensives Studium der großen Vorbilder im eigenen Schaffen zu sehr festgelegt. Viele Absolventen des Kompositionsstudiums tun sich sehr schwer, ihren eigenen Stil zu finden. Ich empfehle diesen Weg speziell Menschen in kreativen Berufen."

Hatten Sie Mentoren auf Ihrem Weg? 

Ja, der Dirigent Leopold Hager aus Salzburg hat mir 2002, vor meinen ersten Dirigaten, in einigen Stunden Grundsätzliches über das Dirigieren beigebracht. Durch das intensive Studium von Partituren für unsere Konzerte konnte ich auch als Komponist vieles von den besten Komponisten lernen."

Wie ist es Ihnen gelungen, sich gegen so viele andere ausgezeichnete Dirigenten und Komponisten durchzusetzen?

"Ich höre respektvoll auf die Konzertbesucher und sehe meine Funktion als Dirigent oder Komponist hauptsächlich als Dienstleistung für die Mitmenschen. Die Auswahl und die Dramaturgie der Konzertprogramme spielen für die Positionierung von Künstlern eine wichtige Rolle."

Worum geht es in Ihrem neuen Stück, Symphonie nr. 3 op. 10 “human rights”?

"Wie der Großteil  meiner Werke hat die dritte Symphonie einen sozialkritischen Hintergrund. Es war mir wichtig, nach dem Thema “Manipulation” in der ersten Symphonie, aktuell auch das Thema "Menschenrechte" aufzugreifen und künstlerisch zu verarbeiten. Gerade seit der Pandemie wurden und werden immer wieder Menschenrechte mit Füßen getreten. Man hat den Menschen entmündigt und seine persönlichen Rechte stark beschnitten. Mit dieser Symphonie und ihren gesungenen Texten verarbeite ich diesen Irrweg und versuche den Menschen die Augen zu öffnen. Sozusagen die Welt jeden Tag ein wenig besser zu machen."

Mit der ukrainischen Stadt Lemberg haben Sie eine besondere musikalische Verbindung. Wie kam es dazu und wie sehen Sie die Zukunft ukrainischer Musiker? 

"Ja, die ehemalige K&K Stadt Lemberg und ihre Menschen sind in den letzten 25 Jahren zu meiner zweiten Heimat geworden. Ich liebe diese Stadt und ihre Menschen mit Ihren warmherzigen, gefühlvollen Charakterzügen. In die Ukraine kam ich durch einen Besuch einer Kindergruppe, die nach der Tschernobyl-Katastrophe zur Erholung zu uns nach Tirol eingeladen wurde. Der begleitende Lehrer hat mich danach eingeladen, die wunderschöne Stadt Lemberg, früher “Klein Wien” genannt, zu besuchen. 

Ukrainische Musiker haben eine große Zukunft vor sich. Vor Jahren war im Westen sowohl der Name Ukraine, als auch deren Komponisten unbekannt, jetzt kennt die Ukraine, leider aus tragischen Gründen,  die ganze Welt. Wenn der Krieg vorbei ist, kann sich die Ukraine mit ihren vielen kreativen Menschen meiner Meinung nach zu den führenden Staaten Europas entwickeln. Davon werden sicher auch die Musiker profitieren. Bleibt uns nur noch auf einen baldigen Frieden zu hoffen - der gesamten Menschheit zugute."