Interview: Carmen an der Wiener Staatsoper

Die Opernsaison startet turbulent: Kurzfristige Ausfälle führen zu Änderungen im Spielplan...

Interview: Carmen an der Wiener Staatsoper

Bildnachweis: © Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Roberto Alagna und Sonya Yoncheva mussten ihre Auftrtitte in der geplanten Wiederaufnahme "La Juive" von Jacques-Fromental Halévy krankheitsbedingt absagen. “Eine Umbesetzung war so knapp vor Probenbeginn leider unmöglich”, erklärt Operndirektor Bogdan Roščić. 

Überraschender Ersatz war schnell gefunden

"La Juive" wurde von Giacomo Puccinis "La Bohème” abgelöst. Die österreichisch-russische Sopranistin Anna Netrebko erklärte sich bereit, die Hauptrolle der Mimi an drei von vier Terminen zu übernehmen. Dirigent Bertrand de Billy gibt den Takt an, u.a. bei der Eröffnungsveranstaltung "La Bohème” am 5. September. 

Netrebko gilt seit den kontroversen Aussagen zum Ukrainekrieg als umstritten. Sie kehrt nun früher als gedacht nach Österreich zurück und ist am 5., 11. und 18. September in "La Bohème” zu sehen. Am 8. September wird die Rolle von Eleonora Buratto gesungen.

Das freut die Fans ganz besonders: Am 14. September findet anstelle von “La Juive” eine zusätzliche Vorstellung von "Carmen” statt - mit Elina Garanca in der Titelpartie.

Die Vorstellung konnte bereits 2021 durch das kraftvolle Ensemble überzeugen. Neben der überwältigenden Stimmgewalt in den Hauptrollen kann hier auch so manch faszinierende Nebenrolle glänzen - beispielsweise Isabel Signoret in der Rolle der Mercédès. 

Tickets für La bohème und die zusätzliche Carmen-Vorstellung sind unter tickets.wiener-staatsoper.at erhältlich.

Wir von der DieMuse-Redaktion hatten das Glück von Opernstar Isabel Signoret ein paar Details über die faszinierende Oper Carmen zu erfahren. 

Interview mit Isabel Signoret, als Mercédès in der Oper Carmen 

Frau Signoret, wann haben Sie die Liebe zum Gesang entdeckt? Kommen Sie aus einer musikalischen Familie? 

Meine erste Gesangsstunde bekam ich mit 14 Jahren. Durch erste Auftritte habe ich realisiert, dass ich mich auf der Bühne wie zu Hause fühle und meine Liebe zum Gesang entdeckt. Ich bin in einem puerto-ricanischen Haushalt aufgewachsen und habe sehr viel Salsa- und Merenguemusik gehört, außerdem ist mein Vater ein begeisterter Zarzuela-Fan. Über die Jahre, und besonders durch den Umzug nach Wien, begannen meine Eltern und Geschwister aber auch Oper und klassische Musik zu lieben.


Wie sind Sie zur Oper gekommen? 

Ich habe mit drei Jahren mit Ballettunterricht angefangen und bin mit einer lokalen Ballettcompagnie jeden Dezember im Nussknacker aufgetreten. Als ich ein Teenager war, habe ich mich vom klassischen Ballett mehr in Richtung Musical bewegt und glaubte eine Zeit lang, dass ich eine Karriere am Broadway anstreben würde. Obwohl ich mit 14 Jahren mit der Gesangsausbildung begonnen hatte, kam ich erst mit 17 Jahren zum ersten Mal mit der Oper in Verbindung, als ich eine HD-Übertragung der New Yorker Metropolitan Opera von Carmen mit Elina Garanča and Roberto Alagna gesehen habe. Ich war total begeistert.


Wie lange sind Sie schon Mitglied im Ensemble der Wiener Staatsoper? Was gefällt ihnen daran? 

Das ist mein erstes Jahr als Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper, zuvor war ich Mitglied im Opernstudio. Ich mag es, mit den tollen Mitarbeiter*innen zusammenzuarbeiten und so großartige Kollegen zu haben. Und außerdem schätze ich es sehr, gemeinsam mit Künstler*innen auf der Bühne zu stehen, zu denen ich mein ganzes Leben hinaufgesehen habe.

Sie sind demnächst als Mercédès in der Oper Carmen zu sehen. 
Was verkörpert diese Frau (Carmen) für Sie? 
Für mich verkörpert Carmen Unabhängigkeit, sowohl körperlich als auch emotional. Carmens sexuelle Freiheit und ihre Stärke, den Tod zu akzeptieren ist das, was sie zu einer der beeindruckendsten Heldinnen der Oper macht.


In welchen Rollen werden wir Sie in Zukunft noch sehen?
In dieser Saison werde ich die Bersi in Andrea Chénier, Zerlina in Don Giovanni, Minerva in Il ritorno d‘Ulisse in patria, den Pagen in Salome und die Suzuki in Madama Butterfly singen.


Haben Sie vor, in Wien zu bleiben? 
Ja, ich bleibe vorerst bis zum Ende der Saison 2024 und freue mich darauf, das Beste aus meiner Zeit in dieser Stadt zu machen!