Kimi Djabaté: Der King of Afrobeat launcht sein neues Album „Dindin“

Kimi Djabaté gilt als charismatischer Sänger und Meister der Kora (Stegharfe) und des Balafón (Xylophon), seine Musik ist eine faszinierende Verschmelzung der musikalischen Traditionen Westafrikas mit Desert Blues und Jazz. Als Sprössling einer Griot-Familie erzählt Djabaté vom Leid der Bevölkerung unter korrupten Machthabern und ruft zum Kampf gegen Krieg und Armut auf. Kritikerin Anika Reuner meint: Seine Lieder entführen in mystisch-multinationale Sphären.

Kimi Djabaté: Der King of Afrobeat launcht sein neues Album „Dindin“
CD-Cover Dindin von Kimi Djabaté
Kimi Djabaté: Der King of Afrobeat launcht sein neues Album „Dindin“
Kimi Djabaté: Der King of Afrobeat launcht sein neues Album „Dindin“
Kimi Djabaté: Der King of Afrobeat launcht sein neues Album „Dindin“
Kimi Djabaté: Der King of Afrobeat launcht sein neues Album „Dindin“

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Der 1975 geborene Kimi Djabaté wuchs in Tabato, Guinea-Bissau, auf. Das Dorf ist bekannt für seine Griots, die in der Tradition Westafrikas eine bedeutende Rolle spielen. Die berufsmäßigen Sänger, Dichter und Instrumentalisten ziehen von Ort zu Ort, tragen auf unverwechselbare Weise Liedgut vor und überliefern so wertvolles Wissen an nachfolgende Generationen. Als gebürtiger Griot spielt Djabaté seit seinem dritten Lebensjahr Balafón, das afrikanische Xylophon. Unter den zahlreichen Ausnahmemusikern, mit denen er zusammengearbeitet hat, sind Mory Kanté, Waldemar Bastos, Netos de Gumbé und die „Queen of Pop“, Megastar Madonna. Im Oktober  2022 ist nun die Single-Auskopplung „Alidonke“ mit ihren von den Tuareg geprägten Grooves beim US-amerikanischen Musiklabel „Cumbancha“ erschienen. Am 24. Februar 2023 kommt das Album „Dindin“ („Kinder“) auf den Markt. „Dindin“ ist eine meditativ anmutende und gleichzeitig eingängige Sammlung an Tracks, die von den Griot-Traditionen West-Afrikas, von Desert Blues, Jazz und Djabatés unermüdlichem Engagement für Gerechtigkeit geprägt sind. „Alidonke“ summt einen Hauch von Tuareg-Wüstenblues, der von einem mittelschnellen Percussion-Takt geleitet wird. Der Hörer wähnt sich in verschiedenen Kontinenten, wenn er sich auf diese vielschichtigen und sehr kreativen Kompositionen einlässt. Instrumental komplexe Kompositionen, die mit modernen Sounds aus dem Funk- und Jazz-Kontext gestreckt sind, entführen in mystisch-multinationale Sphären.


Djabaté gilt als das bemerkenswerteste Talent in den Bereichen des Blues und Afrobeat und deren Schnittmenge. Das Album „Dindin“ des Wahl-Lissabonners ist ein Freudenfest der Sinne und zelebriert die Liebe und die Freundschaft, genauso wie die unterschiedlichen verbalen und nonverbalen Bekundungsformen inklusive gemeinsamen Tanzens, die menschliche Bindungen zu intensivieren und aufs nächste Level zu heben vermögen. Kimi Djabaté besingt die amorösen Ausdrucksformen voller Freude, denn um Herzschmerz kreisen schon genug seiner Musiker-Kollegen:

„Lächle mich an / Meine Liebe / Sprich mit mir / Gib mir deine Hand / Du bist es, die ich will / Die Liebe meines Lebens ist angekommen.

1994 entschied er sich bei einem Besuch der Hauptstadt Portugals spontan, dort ein neues Leben zu beginnen, beherrschte er die portugiesische Sprache doch bereits aus seiner Heimat Guinea-Bissau. Nachdem er das nationale Musik- und Tanzensemble von Guinea-Bissau besucht hatte, verfeinerte er seinen Sound, wobei er sich der traditionellen Mandingo-Musik bediente. Auch populäre afrikanische Genres wie nigerianischer Afrobeat, kapverdischer Morna und westlicher Jazz und Blues weckten seit frühester Kindheit sein Interesse und prägen seine Musik bis heute. Bereits als Kind beherrschte er mit seinem Balafón die in der Region allgegenwärtigen Afrobeat- und Gumblé-Stile und die Jazzmusik, die ihn auf seinem Radio begleitete. Ein Talent, das Fluch und Segen zugleich zu sein schien, beuteten seine Eltern doch sein Können in punkto Balafón aus. Auf seine größtenteils traumatischen Kindheitserfahrungen blickt er heute so zurück:

„Ich hatte eine harte und schwierige Kindheit, weil ich einer sehr armen Griot-Familie entstamme. Seit frühester Kindheit habe ich gearbeitet, um den Unterhalt für meine Familie zu verdienen. Balafón zu spielen war ein probater Weg, Geld zu verdienen; mein Können stellte eine Einkommensquelle für meine ganze Familie dar. Auch, wenn ich schlief, weckte meine Familie mich auf, damit ich Balafón spielte, sang und tanzte. Ich habe nie wirklich unbeschwert gespielt, wie Kinder in dem Alter es tun sollten."


@KimiDjabaté

Bald als Wunderkind anerkannt, begann Djabaté im Alter von acht Jahren auf Hochzeiten und Taufen zu spielen und wurde einige Jahre später von seinen Eltern in ein nahe gelegenes Dorf entsandt, um das Spiel auf der Kora zu erlernen, einer mit beiden Händen gezupften westafrikanischen Stegharfe, die auch als Harfenlaute klassifiziert wird. Diese diente der Überlieferung gesungener Erzählungen und Rezitationen über glorreiche vergangene Zeiten. Auch beispielsweise im Intro seines Tracks „Kodé“ (“Liebe“) gab die charakteristische Kora den Ton an. Djabatés frühe Einführung in eine Vielzahl traditioneller Instrumente legte den Grundstein für das Gitarrenspiel, das er später aufnahm und perfektionierte, und für seine Fähigkeiten im Umgang mit einer Vielzahl von Percussion-Instrumenten.

Das westafrikanische Wunderkind und die Queen of Pop

Häufig sind es genau jene schwierigen Startbedingungen, die Ausnahmetalente wie dieses hervorbringen. Mit seiner Musik verfolgt Djabaté das Ansinnen, Brücken zwischen Menschen zu bauen. So ist das Album „Dindin“ sowohl sehr persönlich — mit intimen Songs, die Familie und Freunden gewidmet sind —, als auch universell, mit Themen wie Liebe, Kommunikation und menschlicher Verbindung im Allgemeinen.
Eine menschliche und beruflich-künstlerische Connection ging er schließlich auch mit Madonna ein: Nach einem Abendessen in der gemeinsamen Wahlheimat Lissabon lernten die Künstler sich 2017 kennen und erkannten ihre gemeinsame Liebe zu Afro-Rhythmen. Daraufhin lud Madonna, die ihren Sohn David aus einem Waisenhaus in Malawi adoptiert hat, Djabaté ein, in dem von Mirwais produzierten Titel „Ciao Bella“ auf ihrem Album „Madame X“ zu singen. Von der fruchtbaren Kooperation schwärmt Djabaté noch heute:

„Eine Erfahrung, die mich sehr geprägt hat, war, als Madonna mich eingeladen hat, mit ihr zusammen zu arbeiten. Die Zeit, die ich mit ihr verbracht habe, hat mich sehr inspiriert. Ich bewundere sie zutiefst."

Was sich von Djabatés langjährigem Leben und Schaffen in Lissabon durchgesetzt hat, ist ein afro-portugiesischer Flow, der ihn, verstärkt durch die sinnstiftende Symbiose mit der „Queen of Pop“, zu einer Art internationalem Botschafter für westafrikanische Musik avancieren ließ. Für den begnadeten Gitarristen, Percussionisten und Balafón-Spieler ist Musik allerdings nicht nur seine ultimative Leidenschaft; sie ist Teil seiner Genealogie. Auf „Dindin“ führt Djabaté die Bräuche seines Griot-Erbes fort und singt über die Komplexität des Lebens im modernen Afrika. „Dindin“ meditiert über die soziale und politische Situation und behandelt schwierige Themen wie Religion, Frauenrechte, Armut und Bildung sensibel und nuanciert.

Optimistisch in Bezug auf die Kraft der Musik und ihre Botschaft, eine bessere Zukunft auch vor allem für Afrikaner zu schaffen, bleiben Djabatés magische Lieder erhebend und hoffnungsvoll, auch wenn sie aktuell bestehende Kämpfe und Herausforderungen beleuchten: „Die Zukunft ist etwas, das ich mithilfe der Gegenwart konstruiere“.
Und durch Diajabtés musikalisches Wirken wird diese für viele hoffentlich ein ganzes Stück fried- und freudvoller.

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